Erläuterung Schlafapnoe

Schnarchen lästig oder gefährlich?

Das zunächst nur lästige Schnarchen kommt als Symptom auch regelmäßig bei der gesundheitsgefährdenden obstruktiven Schlafapnoe vor. Bei der obstruktiven Schlafapnoe kommt es im Schlaf zu Atempausen, weil die Atemwege über kurze Zeit beim Einatmen zusammenfallen. Der zum Atmen in den Lungen entwickelte Unterdruck führt dazu, dass sich die Wände der Atemwege an bestimmten Stellen der oberen Luftwege annähern und zusammenhaften (kollabieren). Die Atmung setzt aus. Erst wenn der Sauerstoffbedarf größer wird und die Atemanstrengungen immer stärker werden, kommt es über das zentrale Nervensystem zu einer Ausschüttung von Stresshormonen und Anspannung der Muskulatur Dadurch wird der vorübergehende Kollaps überwunden und der Unterdruck, von einem in der Regel lauten Schnarchen begleitet, ausgeglichen.

Einige wenige Atempausen in der Nacht sind durchaus normal. Ab 5 Störungen pro Stunde liegt eine leichtgradige Schlafapnoe vor. Ab 10 Störungen pro Stunde kann im Einzelfall eine Therapie geboten sein. Ab 15 bis 20 Störungen pro Stunde Nachtschlaf ist eine Behandlung erforderlich. Unterbleibt die Behandlung, drohen als Folge der permanenten Stressreaktionen Bluthochdruck, Diabetes,  Gefässverkalkung, Herzinfarkt und Hirnschlag. Dieser Zusammenhang ist wissenschaftlich weltweit zweifelsfrei belegt und anerkannt.

Der Schlafapnoiker

  • klagt in der Regel über Tagesmüdigkeit,
  • eine Einschlafneigung in monotonen Situationen,
  • morgendliche Kopfschmerzen,
  • Konzentrationsschwäche,
  • Leistungsabfall etc.

Besonders gefährlich sind solche Zustände im Straßenverkehr oder an Maschinen.

Man schätzt, dass ein Drittel aller Verkehrsunfälle auf Müdigkeit zurückzuführen sind. Bei hochgradiger Schlafapnoe ist eine deutlich verfrühtes Sterberisiko leider nachgewiesen.

Die meisten "Schnarcher" verursachen jedoch nur eine Belästigung ihrer Umgebung und hier insbesondere der Lebenspartner. Diese Form nennt man habituelles Schnarchen.

Schlafapnoe vs. Schnarchen

Um zwischen Schnarchen und Schlafapnoe zu unterscheiden wird ein Apnoescreening (Polygraphie) durchgeführt, welches oft bereits die Zuordnung in störendes Schnarchen oder Schlafapnoe erlaubt.

Behandlung Schlafapnoe

Sind Sie Schlafapnoiker und wollen Sie wissen welche Behandlungsmöglichkeiten für Sie in Frage kommen?

In aller Regel wird man Ihnen bei Übergewicht zu einer langsamen und dauerhaften Gewichtsreduktion raten. Sie sollten abendlichen Alkoholkonsum meiden, regelmäßige Schlafzeiten einhalten und abends keine großen Malzeiten zu sich nehmen.

Bei einer deutlichen Schlafapnoe, was Ihr Arzt am Apnoe-Hypopnoe-Index und am Abfall der Sauerstoffkonzentration abschätzen kann, wird ein sogenanntes CPAP-Gerät notwendig sein. Dies ist ein Gerät das einen erhöhten Luftdruck erzeugen kann. Der Druck wird mit einer speziellen Maske und einem Schlauch auf Ihre Atemwege übertragen. Die Anpassung des erforderlichen Druckes erfolgt im Schlaflabor. Wenn Sie ein solches Gerät wirklich brauchen sollten, wird der Gewinn an Lebensqualität durch das erholt-sein die Unannehmlichkeiten des Geräts bei weitem Ausgleichen.

Sollten Sie kein Gerät tragen können (Platzangst, Unverträglichkeit etc.) oder wollen, gibt es die Möglichkeit mit zahnärztlich anzupassenden Vorbissschienen (Protusionsschienen) oder mittels geschickt kombinierter HNO-ärztlicher Operation die Krankheit zu bekämpfen.

Sie haben keine Schlafapnoe, wollen aber Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner zuliebe endlich Ihr habituelles Schnarchen behandeln lassen?

Hier gibt es inzwischen sehr gute Behandlungsmöglichkeiten, welche im Folgenden näher beschrieben werden. Zunächst werden aber auch bei harmlosen Beschwerden umfassende Untersuchungen erfolgen.

In vielen Fällen wird eine schonende Behandlung mit dem RFITT-Verfahren (Radio-Frequenz-Induzierte-Thermo-Therapie) durchgeführt. Hierbei wird über eine spezielle bipolare Sonde ein extrem hochfrequenter Wechselstrom in der Tiefe des Gaumensegels angelegt. Dieser führt über eine Gewebeerwärmung zu einer Eiweißausfällung (Koagulation) und damit zur Ausbildung einer kleinen Narbe. Die Größe der Koagulation lässt sich vorher festlegen und wird über Impedanzmessungen im Gewebe gesteuert. Der Eingriff erfolgt mit einer lokalen Betäubung in unserer Praxis. Im Gegensatz zu den früher üblichen Eingriffen mit Laser oder Skalpell entstehen dabei in aller Regel keine nennenswerten Schmerzen. Die Vernarbung tritt innerhalb von 4- 6 Wochen ein. Oft sind zwei Behandlungssitzungen im Abstand von 6 Wochen notwendig um das gewünschte Ziel zu erreichen. Durch das schonende Vorgehen sind schwerwiegende Komplikationen nahezu vollständig auszuschließen, weil bei dem Verfahren keine Gaumenkürzung wie bei einem Lasereingriff oder klassisch chirurgischen Vorgehen erfolgt. Es gibt aber auch Faktoren, die ein Vorgehen mit dem RFITT-Verfahren alleine nicht sinnvoll erscheinen lassen.

Eine Untersuchung an der Universität Zürich hat vor einigen Jahren eine interessante Beobachtung zu Tage gefördert. Offenbar scheint das Erlernen und regelmäßige Spielen des Digderidoos, die Eukalyptus-Röhre der australischen Aborigines, einen positiven Einfluss auf die Schwere der Störung bei leichtgradigem Schlafapnoe-Syndrom zu haben. Vielleicht kann diese unorthodoxe "Therapie" zukünftig Einzug in die Behandlungsverfahren bei dieser Erkrankung haben (BMJ vom 23.12.2005).

Diagnostik

Für Ihren Arzt gilt es festzustellen, wo das Schnarchgeräusch entsteht und welche Faktoren hierbei eine Rolle spielen. Hierzu erfolgende folgende Untersuchungen:

  • Nase: Bei etlichen Patienten liegt, trotz des Eindrucks gut atmen zu können, bei objektiver Flussmessung eine deutliche Behinderung der Atmung vor. Wie sollen Sie das auch merken? Sie kennen ja nur Ihre eigene Nase! Wie könnte man da vergleichen. Schäden durch eine chronische Nasenatmungsbehinderung stellen sich wohl auch erst spät ein, z. B. in Form chronisch trockener Schleimhäute in Rachen und Kehlkopfbereich. Ursache der behinderten Nasenatmung ist hierbei meist eine deutlich verbogene Nasenscheidewand oder stark vergrößerte Nasenschwellkörper (Nasenmuscheln).
  • Nebenhöhlenerkrankungen: Auch diese können zu wiederkehrenden oder dauerhaften Schleimhautschwellungen der Nase führen.
  • Allergien: Hierbei kommt es saisonal oder ganzjährig zu einer vermehrten Schleimproduktion, zur Schleimhautschwellung, evtl. auch zu trockener Schleimhaut. Der Niesreiz ist bei saisonaler Allergie regelmäßig, bei Milbenallergie allerdings selten vorhanden.
  • Vergrößerte Nasenrachenmandeln: Führen bei Kleinkindern häufig zu Schnarchen und dann auch oft zu einer Störung der Funktion der Nasen-Ohr-Verbindung, der Eustachischen Röhre, mit entsprechender Hörminderung.
  • Langes Gaumensegel: Dabei ist dann die Kontaktstrecke zur Rachenhinterwand verlängert und es kommt leichter zum Schnarchen.
  • Überlanges Zäpfchen (Uvula): Dieses kann dann besonders in Rückenlage angesaugt werden. Gelegentlich kommt es in der Folge zu einer weiteren Anschwellung des Zäpfchens, welches als beängstigend empfunden werden kann. Letzeres darf nicht mit dem allergischen oder hereditären Quincke-Ödem verwechselt werden.
  • Große Tonsillen (Gaumenmandeln): Die Mandeln engen dann den Atemraum im Mundrachenbereich deutlich ein. Eine operative Verkleinerung der Tonsillen kann dann viel bewirken.
  • Große Zunge: insbesondere im hinteren Anteil, im sogenannten Zugengrund, wirkt dies als deutliches Atemhindernis. Das Schnarchgeräusch ist hierbei hochfrequent.
  • Kehlkopfanomalien: Diese sind eine seltene Ursache beim Schnarchen. Dennoch waren auch schon Larynxpolypen ursächlich beim Schnarchen mitbeteiligt.
  • Gewichtssituation: Bei deutlichem Übergewicht lagert sich das Fett auch im Hals-Rachenbereich ab und engt damit die Atemwege ein.

Erst wenn die Untersuchung alle Faktoren beleuchtet hat kann eine sinnvolle und damit erfolgreiche Therapie erfolgen.